Rügener Küsten Streckentour

Steilküste am Ostseeufer
Th. Reinhardt/pixelio.de

Der Wanderweg führt entlang der Ostseeküste und offenbart dem Wanderer auf 70 km eine herrliche Aussicht, eindrucksvolle Steilküsten und eine einzigartige Flora und Fauna.

Vom Ostseebad Binz geht es über die Kreidefelsen bis zum Kap Arkona. Die Tour beginnt also im südlichen Teil Rügens und führt immer entlang der Küste bis zum nördlichsten Punkt der Insel und ist in vier Tagesetappen eingeteilt, welche zwischen 13 und 21 km variieren.

Erste Etappe: Vom Ostseebad Binz nach Sassnitz

Der Fernwanderweg beginnt in Binz an der Seebrücke. Von hier aus geht es in Richtung Norden immer an der Küste entlang. Zuerst noch auf der Strandpromenade in Binz und dann, entlang der Proraer Wiek, auf der Promenade oder direkt am Strand nach Prora. Der Weg passiert den Küstenwald und erreicht dann Prora. Hier befindet sich der „Koloss von Rügen“, ein 4,5 km langes Gebäude und damit auch das längste Europas. In der Zeit der Nationalsozialisten wurde es als Ferienanlage für die Organisation Kraft durch Freude (KdF) erbaut. Heute befindet sich hier ein Museum, wo man die Geschichte von Prora hautnah erleben kann. Ein Besuch lohnt sich, denn es befindet sich auch das Eisenbahn- und Technikmuseum dort.

Die Wanderung führt am gesamten Gebäudekomplex vorbei und verlässt Prora anschließend wieder auf einem Wanderweg parallel zur Küste in Richtung Neu Mukran. Auf diesem Weg befindet sich das Naturschutzgebiet  Feuersteinfelder, auch das „Steinerne Meer“ genannt. Dieses wird von einem dichten Kiefernwald umschlossen und ist ca. 30 Hektar groß. Aus grauweißem Feuersteingeröll ragen 14 Wälle empor und stellt damit eine geologische Besonderheit dar.

Weiter geht es über eine Fußgängerbrücke über Bahnschienen hinweg und dem Weg weiter nach links folgend. Man gelangt auf diesem Weg zum Kleinen Jasmunder Bodden. Dabei geht es zunächst durch dichten Wald und über hügeliges und schwer passierbares Gelände, bis man den Bodden erreicht. Folgt man nun den Bahnschienen gelangt man zum Lietzower Bahnhof.

Das letzte Stück des Tagesabschnittes fährt man mit dem Zug, da der Küstenabschnitt von Neu Murkan bis nach Sassnitz aufgrund des Binnenhandels und des dazugehörigen Hafens leider unpassierbar ist. Bequem im Zug sitzend geht es also nach Sassnitz, womit der erste Streckenabschnitt von 18 km bewältigt wäre.

Zweite Etappe: Von Sassnitz nach Lohme „Hochuferweg“

Der Blick vom Königsstuhl auf die Steilküste
Jerzy Sawluk/pixelio.de

Von hier aus geht es weiter Richtung Norden die Strandpromenade entlang. Der heutige Tagesabschnitt beträgt 13 km. Am Ende der Promenade hat der Wanderer zwei Möglichkeiten. Entweder geht man direkt am Strand entlang und genießt den herrlichen Seewind oder man nimmt den Hochuferweg, der durch den Nationalpark Jasmund verläuft. Der Hochuferweg ist der empfehlenswertere und man erreicht ihn vom Kurplatz aus über die Bergstraße/Weddingstraße.

Auf diesem geht es durch den Buchenwald der Stubnitz parallel entlang der Kreideküste. Auf diesem Weg gibt es mehrere Aussichtspunkte. Der erste ist eine heraustretende Kreidewand, welche Bläse genannt wird. Nur wenige Gehminuten von hier entfernt befindet sich die Piratenschlucht. Sie soll dem Piraten Klaus Störtebecker als Zufluchtsort gedient haben. Hier führt eine Treppe zum Strand hinunter. An heißen Tagen lohnt sich der Abstieg um sich eine kleine Abkühlung in der Ostsee zu genehmigen.

Danach geht es weiter auf dem Hochuferweg. Eines der Wahrzeichen Rügens sind die Wissower Klinken. Diese erreicht man auf dem Hochuferweg nach dem Überqueren des Lenzer Bachs. Doch die beiden Hauptzinnen der Kreideformation, die bis zu 20 m hoch waren, rutschten 2005 ins Meer. Nun erinnern die beiden Vorsprünge kaum noch an die unzählig fotografierten Steinformationen von vorher.

Weiter geht es zur Ernst-Moritz-Arndt-Sicht. Von hier aus kann man einen Großteil der Küste überblicken und kurz inne halten um die Aussicht zu genießen. Über 60 m über dem Meeresspiegel befinden sich die Steilküsten und es geht weiter über den Kieler Bach, der als Wasserfall in der Ostsee mündet. Über das Kollicker Ufer und an dem gleichnamigen Örtchen vorbei, durch dichte Buchenwälder geht es weiter zur Victoria-Sicht und der dazugehörigen Kleinen Stubbenkammer. Von hier aus kann man die Sicht auf den Königsstuhl genießen, welcher der populärste und höchste Kreidefelsen von Rügen ist. Er ragt 118 m aus dem Meer empor. Nur wenige Minuten später ist dieser auch schon erreicht.

Hier im Nationalpark-Zentrum kann man eine multimediale Ausstellung der besonderen Art erleben. Man folgt nur ein kurzes Stück der Straße um dann an der Bushaltestelle wieder nach rechts auf den Hochuferweg einzubiegen und in Richtung Lohmen zu wandern. Lohmen erreicht man durch die Buchenwälder der Stubnitz und vorbei am Kliff des Hankenufers. Kurze Zeit später erreicht man auch schon Lohmen, womit der zweite Abschnitt der Fernwanderung geschafft wäre.

Dritte Etappe: Von Lohme nach Glowe

Der heutige Tagesabschnitt ist eine 18 km lange Wanderung quer über die Insel nach Glowe. Der Tag beginnt in Lohme, wo man ca. 1,5 km auf der Dorfstraße in Richtung Süden wandert. Auf diesem Weg gelangt man zur Landstraße Sassnitz – Glowe, wo man nach rechts in Richtung Nardevitz läuft. Vorbei an dem Twinsberg, wo man eine wunderschöne Aussicht genießen kann, gelangt man zum nächsten Dorf. Kurz bevor man dieses erreicht, biegt der Wanderweg nach links ab.

Der Weg führt durch eine Bachsenke und dann hinauf zum Schlanteberg, der etwa 100 m hoch ist. Von hier kann man erneut einen schönen Ausblick genießen. Nach dem Abstieg führt der Weg nach Quoltitz. Ein Abstecher lohnt sich zum Quoltitzer Opferstein, der der größte Findling Rügens ist. Man gelangt zu ihm indem man dem Weg nach rechts folgt.

Wieder zurück auf dem Weg geht es weiter in Richtung Neddesitz. Direkt vor dem Dorf gelangt man an eine Weggabelung, wo man nach rechts in Richtung Polkvitz abbiegt. Ein Abstecher nach links zu den Gummanzer Kreidebrüchen lohnt sich und ist den Umweg wert. Hier gibt es einen Naturlehrpfad und das Kreidemuseum, welche die Geschichte des Kreideabbaus auf Rügen veranschaulichen.

Von Polkvitz geht es weiter zum Tempelberg. Von diesem 50 m hohen Berg kann man wunderbar Bobbin, das Schloss Spyker, den Spykerschen See und natürlich auch Glowe sehen. Nach dem Abstieg vom Tempelberg führt der Weg nach Bobbin und an der spätgotischen Kirche vorbei. Dann folgt man ein kleines Stück der Straße, die nach Glowe führt. Man gelangt zum Spykerschen See, wo man eine kleine Brücke an der Engstelle zwischen Spykerschen See und Mittelsee überquert. Den Badeort Glowe erreicht man über Felder und Weddeort.

Vierte Etappe: Von Glowe zum Kap Arkona

Der Hafen des Fischerdorfes Vitt
Susanne Schmich/pixelio.de

Der letzte Tagesabschnitt ist mit knapp 22 km auch der längste. Von Glowe kann man das Etappenziel schon sehen und man wandert auf dem Fernwanderweg E10 (blauer Balken) nach Juliusruh. Man verlässt die Ostseeküste und gelangt an einem Moor vorbei zum Großen Jasmunder Bodden. Auf einer schmalen Landverbindung mit Wäldern, Mooren und Stränden, welche Schaabe genannt wird, geht es längs der Boddenküste entlang. Auf diesem Weg gelangt man zu dem Aussichtspunkt Gelmer Ort, von wo aus man den Bregger Bodden und die Dünen Hiddensees bestaunen kann.

Kurz vor Bregge gabelt sich der Wanderweg E10 und man folgt dem Weg mit der blauen Markierung nach links. Nur wenige Minuten später kommt man auch schon in Juliusruh an. Hier kann man eine kurze Tour durch das Dorf machen und eine kleine Stärkung zu sich nehmen. In Richtung Norden führt der Weg nach Altenkrichen. Man gelangt zu einer Bushaltestelle, wo man wieder der blauen Wegmarkierung nach rechts in Richtung Nobbin folgt. Vorbei an der Tromper Wiek und an Nobbin erreicht man den Riesenberg. Dies ist eine Megalithanlage, die 34 m lang ist.

Das denkmalgeschützte Fischerdorf Vitt, wo die achteckige Strandkapelle imposant anmutet, erreicht man über Goor. Von hier aus bieten sich dem Wanderer nun zwei Möglichkeiten zum Kap Arkona zu gelangen. Entweder direkt am Strand entlang an den Kreidefelsen vorbei und dann auf einem Stufenweg zum Kap oder man folgt weiterhin dem Wanderweg E10 (blaue Markierung) und gelangt auf dem Hochufer zum nördlichsten Punkt Rügens.

Besonders schön sind die Kreidefelsen und das Leuchtturmpaar. Das Ufer ragt an einigen Stellen fast 50 m über dem Meer empor, was eine wunderschöne Aussicht ermöglicht. Am Kap Arkona angekommen befindet man sich am nördlichsten Punkt Rügens und kann von hier die Aussicht auf die Ostsee und die Steilküsten genießen.

 

 

Bilder: ©Jerzy Sawlu/pixelio.de